Eine Geschichte über den Ort Roitzheim, wie er sich von der Entwicklung her
darstellt.
Eine Aufzeichnung von Mathilde und Karl Heinz Dreifke,
Roitzheim
Roitzheim, am Ausgange des Erftthales, ist die erste der Pfarreien des
Dekanates Münstereifel, die in der Niederung liegt. Die Entfernung von
Euskirchen beträgt etwa eine halbe Stunde. Die Entfernung von Kuchenheim und
Stotzheim ca. eine Viertelstunde. Die Eisenbahn Euskirchen – Münstereifel geht
dicht am Dorf vorbei, die Station ist aber Stotzheim.Das gut gebaute Dörfchen
mit seiner alterthümlichen Kirche und seinen ca. 40 Häusern präsentiert sich
sehr schön auf dem laubigen Hintergrunde, den eine ausgedehnte Baumgruppe an
der nahen Erft bietet.
Etwa 300 Einwohner hat die Pfarrei. Vor ca. 25 Jahren, als die Industrie in
Euskirchen, die viel Zugang auch nach Roitzheim gebracht hat, noch nicht so
entwickelt war wie heute, betrug die Einwohnerzahl nur 200. Die Beschäftigung
der Bewohner ist, außer der Fabrikarbeit in Euskirchen, hauptsächlich
Ackerbau.
Mitten im Dorfe liegt, umgeben vom Kirchhofe, an der Nordseite durch schöne,
hohe Kastanien geschützt, das alte, äußerlich unansehnliche Kirchlein, ein
einschiffiger, verputzter Bruchsteinbau, dem hl. Stephanus geweiht. Es stammt
aus dem 12. oder 13. Jahrhundert.
Der Name Roitzheim findet sich zuerst in einer Urkunde, die zwischen den
Jahren 1075 und 1100 n. Chr. Ausgestellt ist, und die Waldherrlichkeit der
Erzbischöfe von Köln bestimmt. Er lautet dort „Rukesheim, juxta flomen, qoud
dicitur Arnafa“ (Rukesheim an dem Fluß, der Erft heißt.)Namen
1075 Rukesheim
1316 Rudensheim oder Ruychsheym
1337 Ruyscheym
1455 Roixheim
1471 Roexheym
1494 Roedisheym
1535 Ruixem
1550 Ruexem
1552 Ruyssem
1629 Rutzheim
1647 Reixheim
1688 Reutzheim
1697 Rützheimb
1808 Roitsheim
1829 Roitzheim
(Auszug aus der Geschichte der Pfarreien des Dekanates Münstereifel,
geschrieben von Johannes Becker, aus dem Jahre 1900)
Roitzheim gehörte schon immer zur engeren Nachbarschaft der Kreisstadt.
Beliebt war in früheren Jahren ein Spaziergang entlang der Erft bis nach
Roitzheim. Viele Roitzheimer haben ihre Arbeitsplätze in Euskirchens
Industrie, und der Sport verbindet das sportfreundliche Dorf in besonderem
Maße mit den benachbarten Orten.
Roitzheim ist in den ältesten Quellen häufig mit Rüdesheim bei Euskirchen
verwechselt worden. Beide Orte kommen im Mittelalter als Ruitzheim oder sogar
als Roitzheim vor, und doch haben beide Ortsnamen einen völlig verschiedenen
Ursprung.
Um das Jahr 1705 lautet der Name in einer Urkunde des Kölner Erzbischofs „Rukesheim",
d. i. Heim des Ruko oder Roko. Der Name Roko ist die Kurzform wahrscheinlich
zu dem Vollnamen Hroc-hard, der Ruhmvolle. Weitere Namensformen des Ortes sind
Roixheim (1455), Ruixem (1535), später Rüxheim oder Ruexem. Rukesheim war der
Name der Burg, die die Grundlage des Ortes bildete. Sie lag neben der Kirche,
wo eine Flur „In der Höstert" heißt. Höstert, älter Hostert, bedeutet
Hofstatt. Im Jahre 1337 kaufte Graf Wilhelm von Julien Dorf und Burg Roitzheim
vom Abt von Korvey und dessen Bruder Walram. Seither bildete Roitzheim
gemeinsam mit Billig eine Unterherrschaft im Herzogtum Jülich bis zu dessen
Auflösung 1802; auch hatte Roitzheim ein eigenes Schöffengericht, dessen
Siegel erhalten ist. Lehnsträger waren seit 1545 die Walbott von Gudenau.Unter
der Preußenherrschaft wurde Roitzheim als Gemeinde 1816 der Bürgermeisterei
Kuchenheim im Kreis Rheinbach zugeteilt und kam nach dessen Auflösung 1932 zum
Kreis Euskirchen.
Schon im Liber valoris wird Roitzheim als Kirchenort bezeichnet. Das Patronat
hatten die Besitzer der Burg und Unterherrschaft Roitzheim. 1804 wurde die
Pfarre aufgehoben und Stotzheim angegliedert, 1856 aber neu eingerichtet.
Teile des Turmes und der nördlichen Mauer der Kirche stammen noch aus dem 12.
und 13. Jahrhundert. 1477 wurden Gewölbe eingezogen, später aber im
Mittelschiff, nachdem die Kirche 1542 in der Jülicher Fehde sehr gelitten
hatte, durch eine flache Decke ersetzt, 1931 ist die Kirche wesentlich
erweitert worden. Stellenweise wurden spätgotische Wandmalereien freigelegt.
Turm und Chor blieben in der bisherigen Form erhalten. 1956 setzte eine
weitere gründliche Renovierung ein. Zu Roitzheim rechnet auch die Tomberger
Mühle östlich des Dorfes am Erftmühlenbach. Früher waren die Bewohner von
Flamersheim, Kirchheim und Palmersheim verpflichtet, in dieser Mühle, die zur
Burg Flamersheim in der Herrschaft Tomberg gehörten, ihr Getreide mahlen zu
lassen. Unterhalb von Flamersheim weist noch heute das „Tomberger Kreuz" auf
den Beginn des Weges zur Tomberger Mühle hin; erst bei der letzten
Flurbereinigung ist der Weg verschwunden. Kaum ein Dorf im Kreise hat in den
letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges so gelitten wie Roitzheim. Beim Kampf um
den Erftübergang in den ersten Märztagen 1945 wurden mehrere Einwohner
getötet, Häuser und Scheunen in Brand gesetzt oder durch Beschuß zerstört. Die
eiserne Erftbrücke war von den deutschen Truppen gesprengt worden. Auch der
Bahnhof in Stotzheim brannte völlig aus. Die Jahre des Wiederaufbaues brachten
dem Dorf nicht nur gut ausgebaute Straßen und ein neues Schulgebäude, sondern
auch eine vorbildliche Sportanlage. Entlang der Erft entstand eine schmucke
Siedlung, zwischen den beiden Brücken wurde eine Promenade angelegt.
Verhandlungen um die Einrichtung einer Haltestelle an der Bahnlinie Euskirchen
- Bad Münstereifel führten nicht zum Ziel.